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Lust auf Lüneburg

 

geschrieben von Irene Lange im Dezember 2016 in der Quadratausgabe 12/2016.

 

Edith Pfeifer war schon als Schulkind von alten Fotos der Stadt Lüneburg und der blühenden Heidelandschaft fasziniert, da lebte sie noch im fernen Westerwald. Bis sie ihre „Sehnsuchtsorte“ tatsächlich zu Gesicht bekam, sollte es aller­dings noch ein Weilchen dauern, denn erst einmal folgte die Ausbildung zur Krankenschwester in Frankfurt. Über 20 Jahre arbeitete sie in ihrem Beruf; die Bilder von der alten Salzstadt — speziell von dem Platz am Sande — geisterten über all die Jahre durch ihre Gedanken. Das Schicksal wollte es offensichtlich, dass ihr späterer Ehemann, den sie während einer Studienreise durch Ägypten kennen lernte, ausgerechnet ein Lüneburger war.

Nur zu gern packte sie 1993 ihre Koffer und zog vom Main an die Ilmenau, wo sie den Malerbetrieb ihres Mannes unterstützte. Zwar hatte die Ehe keinen Bestand, doch die große Liebe für Lüneburg blieb — bis heute.

Ausgedehnte Spaziergänge durch die historische Stadt dienten dazu, immer wieder Neues zu entdecken. Vor allem das Rathaus hatte es ihr angetan, das einem mit wenigen Schritten eine Zeit­reise vom Mittelalter bis in die Neuzeit ermöglicht. Die Initialzündung aber war vermutlich die Lektüre der Chronik „Vom Bardengau zum Landkreis Lüne­burg“, die man ihr schenkte, als sie ihr erstes Jubiläum als Neu-Lüneburgerin feierte. Seitdem wurde die „Abteilung Lüneburg“ in der Ratsbücherei für sie zu einem zweiten Zuhause, das ihr Einblick in die Lüneburger Geschichte gewährte.

Damals existierte das Café Rauno noch, wo sich am Nachmittag betagte Damen trafen und Anekdoten der alten Lüneburger Zeiten zum Besten gaben. „Meist auf Plattdeutsch“, erinnert sich Edith Pfeifer, die sich mit dem ihr fremden Dialekt erst anfreunden musste. Lange dauerte es jedoch nicht, bis sie den Erzählungen folgen konnte und viel Wissenswertes über Land und Leute hörte. Ihre Streifzüge durch die Stadt nutzte sie auch, um das Stadtleben über die Jahre fotografisch zu dokumentieren. Sie brachte sich den Umgang mit dem Computer bei, erstellte unter dem Titel „Lust auf Lüneburg“ einen eigenen Blog (www.lustauflueneburg.blogspot.de) und publizierte ihre fotografische Ausbeute mitsamt fundierten Erläuterungen im Internet. 

„Anfangs wurde ich von Freunden und Bekannten belächelt“, erzählt sie. „Doch die wachsende Zahl der Besucher auf ihrer Seite — und zwar aus aller Welt — sowie die anerkennenden Einträge haben mich sehr bestärkt.“ Auch so mancher Lüneburger findet hier noch Wissenswertes und Erstaunliches über seine Stadt. Für Edith Pfeifer ist es geradezu eine Leidenschaft geworden, ihre Lust an Lüneburg auch in anderen Menschen zu wecken — ein bisschen stolz ist sie auf einen Wikipedia-Eintrag und die Erwähnung ihres Blogs in einem Reiseführer.

Seit zwei Jahren nennt sie sich bei Facebook „Oma Pfeifer“, obwohl sie mit ihren 63 Jahren eigentlich so gar nichts Großmütterliches oder gar Gebrechliches an sich hat. „Ich nenne mich seit der Geburt unseres heiß ersehnten Enkelkindes so“, erklärt sie lachend. So oft es geht, besucht sie ihre Tochter in Regensburg. Damit sie auch mit fortschreitendem Alter beweglich bleibt, „adoptierte“ sie vor sechs Jahren ihre Hündin Flora. Beide genießen sie nun die ausführlichen Spaziergänge rund um den Ebensberg, wo sie heute lebt. Zwar zieht es sie im Urlaub immer wieder auf ihre kanarische Lieblingsinsel Lanzarote, leben aber möchte sie nirgends anders als in der Stadt ihrer Schulmädchenträume, in Lüneburg! Und inzwischen ist sie auch wieder verheiratet — natürlich mit einem Lüneburger.(ilg)