Das ehemalige Kloster St. Marien


Remter
Remter

 

Herzog Otto das Kind (1204 - 1252) erschien im Traum die Jungfrau Maria und trug ihm auf, ein Gotteshaus zu errichten. Er wählte dafür als Standort die kleine Anhöhe "auf dem Gösebrink" in der Nähe des Rathauses. Um das Jahr 1229 entstand hier eine kleine Kapelle, die aber bald ersetzt wurde durch einen ansehnlichen gotischen Kirchenbau. Zur selben Zeit ersuchten Bettelmönche des Franziskanerordens den Herzog um die Erlaubnis ein Kloster gründen zu dürfen. Der Herzog stimmte zu und übertrug ihnen die geistlichen Ämter in St. Marien. So wurde der neuen Kirche ein Kloster angeschlossen. 

Grundriss des Klosters
Grundriss des Klosters

Zur Zeit Otto dem Strengen (1277 - 1330) wurde dem Klosterkomplex ein weiteres Gebäude hinzugefügt, der Remter, ein damals sehr großes zweigeschossiges Gebäude, das durch einen Kreuzgang direkt mit der Kirche verbunden war. Teile des Remters und des Kreuzgangs sind noch erhalten.

Kreuzgang
Kreuzgang

Die Halle im Erdgeschoss wurde genutzt für Armenspeisung, Almosenvergabe, Rechtsberatung für einfache Bürger und um Pilger zu empfangen.

Das Obergeschoss war das Refektorium, es bot genug Platz für große, auch außerklösterliche Versammlungen. So wurden denn hier die Verhandlungen geführt zwischen dem Rat der verschuldeten Stadt und den sülzbegüterten Prälaten. 1457 kamen die Streitparteien hier zu einer Einigung und beschlossen  die "Lüneburger Sülzkonkordie".

Hier traf sich auch der "Rat der Sechziger", eine Gruppe revolutionärer Bürger, die 1456 dafür sorgten, dass der zuvor abgesetzte Rat durch die gerade anwesenden hanseatischen Abgesandten wieder eingesetzt wurden. Außerdem stellten sie etliche (demokratische) Forderungen wie die Kontrolle über die Finanzen, Mitspracherecht und mehr Rechtssicherheit für das Volk.

Immer wieder versammelten sich hier die Bürger um ihre Forderungen zu besprechen, zum Beispiel im Rahmen der Reformation.


Deckengewölbe im Remter
Deckengewölbe im Remter

1489 wurden die Mönche wegen unmoralischem Verhaltens aus dem Kloster verwiesen und durch strengergläubge ersetzt. 1530 schloss sich Lüneburg der Reformation an - das Kloster wurde aufgelöst. 1555 übernahm die Stadt die Gebäude und führte die soziale Fürsorge fort. In den Remter zog die Ratsbücherei ein (bis heute). Aus dieser Zeit sind nur noch das Deckengewölbe, einige Mauerreste und ein Teil des Kreuzganges erhalten.

 

Leider stand die Marienkirche an der Abbruchkante des Senkungsgebietes (auf dem heutigen Marienplatz) und wurde durch Erdbewegungen immer wieder beschädigt. Um 1580  wurde die Kirche komplett erneuert. 1818 musste auch diese wegen Baufälligkeit abgerissen werden. Einige Teile des Klosters fielen ebenfalls der Erdsenkung zum Opfer. 


 

Seit 1881 blieb der Marienplatz unbebaut. Heute befindet sich hier ein Parkplatz.