Der Stintmarkt


Der Stintmarkt
Der Stintmarkt

Wie der Name schon vermuten lässt, hat dieser Ort etwas mit Stinten zu tun. Der Stint (Osmerus eperlanus) ist ein kleiner silbriger Edelfisch aus der Familie der Salmoniden. Sein Lebensraum sind die nordeuropäischen Küstengewässer. Wenn Ende Februar das Wasser mindestens 9° C warm ist, sammeln sich die Stinte in riesigen Schwärmen vor den Flussmündungen. Gemeinsam schwimmen sie in die Unterläufe der Flüsse und deren Nebenflüsse um in ruhigem Wasser über sandigem Boden abzulaichen, genau wie die großen Verwandten, die Lachse.

frischer Stint
frischer Stint

Diese Fische voller Rogen und Milch waren schon im Mittelalter eine begehrte Köstlichkeit, darum bauten die Menschen vielerorts Vorrichtungen ins Wasser, wo sie den Stint einfach mit Waschkörben heraus heben konnten. Später verwendete man spezielle Netze oder Fangkörbe dafür.

Stint satt
Stint satt

Ein solcher Ort war der Stintmarkt in Lüneburg am westlichen Ufer der Ilmenau direkt am Hafenbecken. Die reiche Beute wurde sofort in den Häusern dahinter gereinigt und sortiert und dann im Alten Kaufhaus verkauft, denn der Stint (wegen seines Geruchs auch Gurkenfisch genannt) schmeckt nur am ersten Tag nach dem Fang. Was dann noch übrig war wurde als Viehfutter oder als Düngemittel verbraucht. Die Stintsaison dauerte damals wie heute etwa sechs Wochen, also bis Mitte April.


 

Mit zunehmender Wasserverschmutzung nach dem zweiten Weltkrieg gab es in der Ilmenau und in der Elbe so gut wie keinen Stint mehr. Erst in den 1990er Jahren verbesserte sich die Wasserqualität und der Stint kehrte zurück. Heute gilt er in seinem Bestand als nicht mehr gefährdet, und während der Saison gibt es wieder "Stint satt".

Salz-Prahm und Salz-Ewer
Salz-Prahm und Salz-Ewer

Wenn nicht gerade Stintsaison war, wurde auch hier das Lüneburger Salz für den Transport auf Schiffe verladen. Dazu benutzten die Menschen den Salz-Ewer und den Salz-Prahm, zwei sehr stabile und wendige Schiffe, die von der Salzwerkstatt des Salzmuseums nachgebaut wurden und vor dem Stintmarkt im alten Hafenbecken liegen.

 

Der Stintmarkt hat sich komplett gewandelt. In all den historischen Gebäuden werden heutzutage Kneipen betrieben, eine uriger als die andere, einige mit Livemusik. Die Straße selbst ist während der Öffnungszeiten für jeglichen Fahrzeugverkehr gesperrt. Sobald im Frühjahr die Sonne schon ein bisschen wärmt, stehen vor vielen Lokalen Tische und Stühle, und der Stint bevölkert sich zunehmend. Man trinkt dann hier sein Bier mit Blick auf die Ilmenau und kann auch seinen Hunger mit verschiedensten Gerichten stillen. An lauen Sommerabenden herrscht hier ein nahezu südländisches Flair. Natürlich fehlen auch gelegentliche handfeste Auseinandersetzungen nicht.