Die alte Raths-Apotheke


alte Rathsapotheke
alte Rathsapotheke

Der Rat der Stadt Lüneburg kaufte 1475 die bereits bestehende Apotheke des verstorbenen Apothekers Mathias van der Most in der Großen Bäckerstraße 5. Es existiert noch der originale Kaufvertrag nebst Inventurverzeichnis. Da die Apotheke nun dem Rat gehörte, bekam sie den Namen "Raths-Apotheke". In der Folge gab es in der Stadt mehrere "Rathsapotheken", darum bürgerte sich für die erste der Name "Alte Raths-Apotheke" ein, und so heißt sie heute noch. Nur der Standort hat sich verändert: 1524 siedelte man die Apotheke wenige Häuser weiter in die Große Bäckerstraße 9 um. Seitdem blieb der Name und der Standort unverändert.

In den Jahren bis 1598 wurde der ursprünglich gotische Bau umgebaut und der Zeit entsprechend umgestaltet. Das monumentale Renaissance-Portal aus Sandstein über zwei Etagen stammt aus dieser Bauphase. Es wurde 2008 nach alten Zeichnungen restauriert und erfreut den Betrachter wieder in den alten Farben.

Im ehemaligen Festsaal im 2. Obergeschoß sind noch heute Teile bemalter Deckenbalken und eines alten Fußbodens aus dieser Zeit erhalten. In den folgenden Jahrhunderten gab es im Innern des Hauses viele Veränderungen, aber die Grundstruktur ist noch weitgehend erkennbar. Auch das Kreuzgratgewölbe im Keller ist noch zu sehen.

Auf einem der Dachböden befindet sich eine alte Kräuterkammer mit Resten einer Bemalung.

Direkt unter dem neunteiligen Staffelgiebel aus Sandstein befindet sich die Inschrift

"NEQUE HERBA NEQUE MALAGMA SANAVIT EOS SED TUUS DOMINE SERMO QUI SANAT OMNIA"

welche von Luther folgendermaßen übersetzt wurde:

"Es heilete sie weder Kraut noch Pflaster, sondern dein Wort, Herr, welches alles heilet".

Sandsteinportal
Sandsteinportal

Giebelinschrift
Giebelinschrift

Im obersten Bogen des Portals steht über dem großen Stadtwappen geschrieben: 

CONSULE DASSELIO SANCTO STATUENTE SENATU EXSTRUCTA EST GAZIS HAEC APOTHECA SUIS. HIC HERBAE ET SUCCI VARIA ET MEDICAMINA PROSTANT, QUAE NUMERO HIPPOKRATES VEL PARACELSUS HABET. AST IN PIXIDIBUS CERTAM SPEM PONERE VITAE NON TUTUM; A SUMMO VITA PETENDA DEO. ERGO, CHRISTE, FAVE, NATURAE SUFFICE VIRES, SENTIAT HINC VIRES UT MEDICINA SUAS.

Inschrift im Portal
Inschrift im Portal

Die Übersetzung lautet:

 

Nach dem Beschlusse des Rates, unter Bürgermeister von Dassel, wurde vom eigenen Geld die Apotheke hier gebaut. Kräuter und Säfte gibts hier und vielerlei Medikamente, welche Hippokrates schätzt, auch Paracelsus empfiehlt. Aber auf Büchsen und Döschen des Lebens Hoffnung zu gründen, wäre ein Trug, unser Heil steht bei dem Höchsten, bei Gott. Darum, Christus, sei gnädig, gib wirkende Kräfte den Stoffen, daß es die Medizin merke, woher ihre Macht.


Öffnungszeiten:


Montag - Freitag 8-19 Uhr

Samstag 8-15 Uhr

erster Samstag 8-16 Uhr