Die Hanse im Mittelalter


Mittelalter - das waren gefährliche Zeiten für Reisende zu Lande und auf dem Wasser, besonders wenn sie wertvolle Güter mit sich führten. Die zunehmenden Bestrebungen ab dem frühen 11. Jahrhundert, ihre Waren in immer weiter entfernte Orte zu verkaufen, veranlasste die reisenden Kaufleute, sich regional in Gruppen (Hansen) zusammenzuschließen um sich unterwegs besser schützen und in der Fremde ihre Privilegien durchsetzen zu können. Das Hauptanliegen bestand darin, möglichst gewinnbringend zu handeln. Dieses Konzept erwies sich als äußerst erfolgreich und dehnte sich bald überregional aus. So konnten die Handelsbeziehungen auch in ferne Länder (u.a. Skandinavien, Baltikum, Polen und Holland ausgedehnt werden. Waren es anfangs viele verschiedene Gruppen, so schloss sich allmählich nahezu die gesamte norddeutsche Kaufmannschaft zusammen. Mit der Zeit dehnte sich die Vereinigung auch auf die Städte aus wobei Lübeck eine zentrale Rolle spielte.

1161 erließ Heinrich der Löwe einen Vertrag, nach dem Lübeck und Visby (Schweden) besondere Handelsprivilegien erhielten. Dieser Vertrag ("Artlenburger Privileg", weil er bei Artlenburg erlassen wurde), gilt heute als Ursprung der Hanse, denn eine Gründungsurkunde hat es nie gegeben. Nach und nach wurden Kaufleute vieler Städte in den Vertrag aufgenommen. Diese Kaufleute stellten in ihren Heimatstädten die Oberschicht dar und bekleideten dort wichtige Ämter wie Bürgermeister und Ratsherren. So lag die Wirtschaft und die Politik in den selben Händen und die Hanse bestand mehr und mehr nicht mehr aus Personen, sondern aus Städten. Der Historiker Ahasver von Brand schrieb: " Hanse-Kaufmann ist nicht, wer Bürger einer Hansestadt ist, sondern Hansestadt ist, wessen Bürger am Auslandshandel beteiligt sind und unwidersprochen an den Privilegien teilhaben."

Die Hanse wurde ein blühendes, weitreichendes Handelsnetz (der gesamte nordeuropäische Raum bis nach Russland ), welches nie gegründet aber gelebt wurde. Die Macht der Hanse war so groß, dass sie in der Lage war Krieg zu führen (gegen Dänemark) und bei der Wahl des dänischen Königs entscheidend mitzuwirken. Die immense Ausdehnung erforderte eine interne Aufteilung in drei, später vier, Bezirke mit je einem "Vorort"; die Gesamt-"Hauptstadt" war Lübeck. Wendisches Viertel - Vorort Lübeck, Sächsisches Viertel - Vorort Braunschweig, Westfälisches Viertel - Vorort Köln, Preußisch-Livländisches Viertel - Vorort Danzig Dieses System funktionierte bis ins 17. Jahrhundert (30jähriger Krieg). Danach erloschen die Privilegien der Hanse und die Hanse selbst.

Tagfahrten

In unregelmäßigen Abständen kamen Abgesandte der Hansestädte zusammen um über Probleme, Richtlinien, Preise und Gewichts-Normen in der Hanse und ihren Mitgliedsstädten zu beraten und zu beschließen. Man unterschied gesamthansische Hansetage und regionale Hansetage, die wesentlich häufiger stattfanden. Die gefassten Beschlüsse waren nicht bindend sondern nur Empfehlungen und mussten in den Heimatstädten der Teilnehmer erst geprüft und genehmigt werden. Passten sie nicht ins politische Konzept wurden sie verweigert. Hansetage waren für alle ein aufwändiges Ereignis, denn sie verlangten eine lange, beschwerliche Reise und dauerten etwa einen Monat. Deshalb war die Teilnehmerzahl begrenzt. 1412 richtete Lüneburg erstmals einen gesamthansischen Hansetag aus, bei dem die Frage der Vertretung für das handlungsunfähige Lübeck geklärt werden sollte. Die Wahl fiel auf Lüneburg und Hamburg. 1669 fand der Letzte Hansetag des Mittelalters statt. Allerdings war die Versammlung nicht beschlussfähig, weil nur Abgesandte aus neun Städten anwesend waren.


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