Die St. Nicolai-Kirche


Kirche St. Nicolai
Kirche St. Nicolai

Das Wasserviertel entstand erst als die anderen drei Viertel Lüneburgs schon längst ihre Kirche hatten. Nach jahrelangem Ersuchen erteilte der Bischof von Verden erst 1406 die Erlaubnis zum Bau einer Kapelle, die drei Jahre später geweiht wurde. Da die Kapelle für das schnell wachsende Wasserviertel bald zu klein wurde, beschloss der Rat 1420 den Bau einer Kirche, allerdings ohne Turm. Die St. Nicolai-Kirche ist somit die jüngste und kleinste der drei gotischen Kirchen. Sie war einst das Gotteshaus der Schiffer, denn in diesem Viertel lebten hauptsächlich die Flussschiffer und die von der Handelsschifffahrt lebenden Arbeiter.

Der Turm wurde 1460 begonnen, konnte aber wegen Geldmangel nicht fertiggestellt werden. Etwa 120 Jahre später mussten massive Bauschäden behoben werden, dabei wurde dann auch der Turm vollendet. Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts war die Kirche so marode, dass die Glocken nicht mehr geläutet werden durften. Nach einem Blitzeinschlag in die Turmspitze 1811 gab es erste Überlegungen, die Kirche ganz abzureißen. 1830 wurde  nur der baufällige Turm entfernt.

St. Nicolai
St. Nicolai

Grundriss St. Nicolai
Grundriss St. Nicolai

Um die Kirche vor dem kompletten Abriss zu bewahren, gründete der Lehrer und Kantor Klingemann den Kirchenbauverein "Rettet ". Es wurden so viele Spenden gesammelt, dass 1864 mit den notwendigen Arbeiten unter der Leitung von Conrad Wilhelm Haase begonnen werden konnte. Bis 1899 war St. Nicolai komplett restauriert und hatte auch einen 98 Meter hohen neuen Glockenturm nach neugotischem Entwurf. Eine sehr besondere spätromantische Furtwängler & Hammer-Orgel, die sich nach etlichen Veränderungen heute wieder im Originalzustand befindet.

Aufgrund der zahlreicher Restaurierungen ist die Kirche weitgehend vom 19. Jahrhundert geprägt. Der Innenraum der Kirche hat jedoch sein wunderschönes mittelalterliches Gepräge bewahrt und birgt bedeutende Schätze gotischer Malerei und Schnitzkunst.

 


Im Chorumgang ist auf einer Tafel die älteste Stadtansicht Lüneburgs zu sehen (um 1445). Dieses Bild und alle im Chorumgang gezeigten Tafeln und Reliefs gehören zu dem sog. Heiligenthaler Altar, dem Vorgänger des derzeitigen Hauptaltares.

 

Eine absolute Kostbarkeit stellt der geschnitzte und vergoldete Flügelaltar aus der zerstörten St. Lamberti-Kirche dar. Nur während der Passionszeit verdecken die Flügel des Altares die 20 geschnitzten Szenen aus dem Leben Jesu und zeigen bis Ostern Bilder aus dem Leben von Heiligen und Märtyrern. In der Karwoche ist die Opferung Isaaks und die Kreuzigung Jesu zu sehen.

geschnitzter Flügelaltar aus der ehem. Lambertikirche (Mitte 15.Jh.)
geschnitzter Flügelaltar aus der ehem. Lambertikirche (Mitte 15.Jh.)

2009 feiert St. Nicolai das 600. Kirchweihfest. Aus diesem Anlass unterstützt die Bürgerstiftung St. Nicolai das Projekt "Dritte Glocke für St. Nicolai". Seit etwa 25 Jahren lag das Bronzemetall bereit, das ein großzügiger Spender zur Verfügung gestellt hat. Die neue Glocke soll einerseits durch die Namensgebung "Schifferglocke" an die Tradition von St. Nicolai erinnern, die von ihren Anfängen her die Kirche der Schiffer und Handwerker war. Zum anderen soll sie als Ersatz für die im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzenen Glocken als "Friedensglocke" läuten. Sie ist eine Nachfolgerin von vier während des Zweiten Weltkrieges in St. Nicolai zerstörten Großglocken.

Schrift auf der Glocke
Schrift auf der Glocke
verhüllte Glocke
verhüllte Glocke
Friedensglocke 2009
Friedensglocke 2009

Im Rahmen des Glockenfestes wurde die "Schöne" auf dem Marktplatz per Lastkran vom LKW auf ein Pferdefuhrwerk geladen. Dort stand sie verhüllt und gut bewacht bis zur feierlichen Enthüllung am nächsten Tag. Auf dem Fuhrwerk wurde sie in einer feierlichen Prozession an allen Innenstadtkirchen vorbei zur Nicolaikirche gefahren.

 

Glockenfest
Glockenfest


Öffnungszeiten

montags bis freitags 10.00 bis 20.00 Uhr

sonnabends 10.00 bis 17.00 Uhr

sonntags 11.30 bis 13.00 Uhr + 16.00 bis 18.00 Uhr

Gottesdienst-Termine hier.