Die Freimaurerloge "Selene zu den drey Thürmen"


Logenhaus
Logenhaus

Im Januar 1775 versammelte sich eine Gruppe namhafter Bürger in einem separaten Raum des Gast- und Gesellschaftshauses "Auf dem Schütting" am Marktplatz. Sie gründeten die erste Freimaurerloge Lüneburgs mit dem Namen "Zur goldenen Traube". Man wollte sich aber nicht der "Provinzialgroßloge Friedrich von Hannover" oder der "Großen Loge von Hamburg" anschließen, weil diese nach dem althergebrachten System der "Strikten Observanz" arbeiteten, sondern strebte eine Mitgliedschaft in der "Großen Landesloge" von Berlin an. Die Große Landesloge und ihre Mitgliedslogen waren reformorientiert und hielten das "Zinnendorfsche System" für zeitgemäßer. Die Konstitutionsurkunde aus Berlin trägt das Datum des 24.1.1775. 

 

Die äußerst wechselhafte politische Lage im 18. Jahrhundert führten zu einer ebenso wechselhaften Geschichte und Zugehörigkeit Lüneburgs und der Loge "Zur goldenen Traube" bis das Logenleben um 1800 völlig erlag.

Symbol über dem Eingang
Symbol über dem Eingang

1809 wurde die Loge feierlich wiederbelebt und war fortan eine sehr aktive Vereinigung. Man trennte sich von der "Großen Landesloge Berlin", gab die Konstitution nach Berlin zurück und gründete eine neue Loge. Nur so konnte man nach dem erwünschten "Schröder-Ritual" arbeiten und Mitglied einer humanitären Großloge werden. Die neu gegründete Loge "Selene zu den drey Thürmen" erhielt ein neues Konstitutionspatent von der "Provinzialgroßloge Hannover".

Als im Jahre 1811 französische Regimenter nach Lüneburg verlegt wurden, waren die Lüneburger Freimaurer gegenüber der Besatzungsmacht ziemlich wehrlos.

Haupteingang unter den drei Türmen
Haupteingang unter den drei Türmen

Doppelsiegel
Doppelsiegel

In den Folgejahren bekam die Loge "Selene" mehrfach ein neues Patent und verlor es wieder bis schließlich 1828 "die Provinzialloge von Hannover" unter König Ernst August zu einer eigenständigen Großloge aufgewertet wurde. Die Selene wurde damit automatisch eine Tochterloge der Großloge Hannover.

1866 wurde das Königreich Hannover dem Land Preußen zugeordnet und die Großloge aufgelöst. Den Einzellogen wurde freigestellt, wem sie sich anschließen wollten; die Lüneburger entschieden sich für die eher liberale Großloge "Royal York von Preußen genannt zur Freundschaft". Zu dieser Zeit war die "Selene" recht wohlhabend und konnte 1908 ein großes Haus an der Hindenburgstraße bauen.

1935 erfolgte die Zwangsschließung und Enteignung durch die Nazis. 1947 erhielt die Lüneburger Loge die beantragte Genehmigung zur Wiederaufnahme ihrer Arbeiten. 1949 entstand die "Vereinigte Großloge von Deutschland". Die Landesgroßloge Niedersachsen schloss sich der VGL an, wodurch die Selene auch Mitglied der VGL wurde. 1950 bekam die Selene ihr Haus zurück. Durch ein Dekret vom 21.9.1985 wurde nach langen Bemühungen die ununterbrochene Existenz der Lüneburger Loge seit 1775 anerkannt und darf seitdem ein Doppelsiegel führen: das Siegel der "Goldenen Traube" und der "Selene zu den drey Thürmen". 1988 gelangte sie in den Besitz der Konstitutionsurkunde von 1775.

 

Seit 1908 ist es Versammlungsort der Freimaurerloge „Selene zu den drey Thürmen“. Im EG befindet sich heute ein China-Restaurant, im 2. Obergeschoss eine Fechtschule. Das Haus ist denkmalgeschützt.